Mobile Tierheilpraxis

Kerstin Hartwigsen

Magische Vorboten? und der Tag danach

Magische Vorboten? und der Tag danach

Vorboten

Am Donnerstag, den 14. August, war da dieser Schmetterling. Fast eine Stunde lang wich er mir nicht von der Seite, setzte sich auf Kopf und Schulter, flog kleine Runden und kehrte immer wieder zurück. In diesem Moment dachte ich noch: Vielleicht ist das Elsii, die mir ein Zeichen schickt. Doch rückblickend, nach allem, was geschehen ist, spüre ich: Vielleicht war es Manni selbst, der sich da schon leise verabschiedete.

Schmetterlinge sind mehr als nur schöne Insekten – sie gelten als Seelenboten, als Brücke zwischen den Welten. Und dieser eine war nicht wie die anderen, die man so im Sommer sieht. Er wirkte selten, fast zart und schimmernd, und er blieb ungewöhnlich lange bei mir. Keine flüchtige Begegnung, sondern wie ein stilles Wachen.

Heute erscheint es mir wie ein magisches Vorzeichen – eine stille Ankündigung dessen, was kommen sollte. Ein Gruß, ein Trost, ein letzter Wink: Du bist nicht allein.

Trauer, Organisation, Tränen und ein Nachbar der keine Grenzen oder Anstand kennt

Der Freitagmorgen begann mit Telefonaten, die ich führen musste, und mit einer Bestatterin, die wir schon von Elsii kannten: Jutta Schäfer. Allein ihr Name im Telefon war schon Trost und Erinnerung zugleich. Sie wusste, was zu tun war, sie nahm mir ab, wo ich nur hilflos im Nebel stand.

Doch während drinnen alles seinen schweren, aber notwendigen Lauf nahm, war da draußen das Gegenteil von Würde und Stille. Unser Nachbar – mit seinem eigenen, so offensichtlich verbitterten Leben – kniete heimlich hinter seinem Dachvorsprung an der Eingangstür, um jedes Wort aufzuschnappen. Ich habe das schon bei den Rettungseinsätzen gespürt, dieses heimliche Lauschen. Aber an diesem Tag, als der schwarze Wagen vorfuhr, als zwei schwarz gekleidete Frauen mit der schwarzen Trage vor unserem Haus standen, da war es besonders grausam. Ein Mensch, der in seinem eigenen unzufriedenen Leben gefangen ist, der nichts anderes tun kann, als dem Leid anderer nachzuspionieren. 

Armer Tropf….

Da war auch das Gefühl von Loslassen, von weiterführender Begleitung. Gespräche, die erledigt werden mussten. Papiere, die auf einmal wichtig wurden. Entscheidungen, die getroffen werden mussten.

Zwischen all dem Pflichtprogramm, zwischen schwarzem Wagen und Telefonklingeln, blieb immer wieder ein Moment der Stille. Ein Blick nach oben, zum Himmel, wo ich die Botschaft vom Vortag noch spürte. Der Schmetterling war nicht mehr da, aber sein stiller Gruß hielt mich.

Stille im Haus eingekehrt war, kam die Realität endgültig an. Und doch – wie so oft in solchen Momenten – schwankte ich zwischen Aktionismus und Tränen. Ich begann, aufzuräumen, wusch sogar Mannis Schmutzwäsche, als könnte ich damit Ordnung in das Chaos bringen. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie absurd das war. Aber vielleicht war es genau das: ein letzter Versuch, Halt zu finden.

Später dann hielten wir unser kleines Ritual ab – Fisch und Chips, wie immer mit Mesi, der an diesem Abend besonders nah bei uns war. Zwischen knusprigen Pommes und der Frage „Wie soll es jetzt weitergehen?“ entstand ein stiller Plan: Wie können wir es für Mesi gut machen? Wie können wir ihn in unser Rudel integrieren, ohne die beiden Hundeomas zu gefährden?

Doch so sehr wir uns bemühten, Normalität zu schaffen, die Nacht blieb unruhig. Um drei Uhr – wie schon die letzten Tage – wachte ich auf. Genau zur Zeit des Lungen-Meridians, der nach der TCM für die Trauer zuständig ist. Ein symbolischer, fast schon zynischer Hinweis des Körpers, dass es keinen leichten Weg gibt, durch diesen Abschied zu gehen.