
Silvester & Hund · Kerstin Hartwigsen, Tierheilpraktikerin
Silvester fängt nicht an Silvester an.
Draußen knallt's schon mal früher als sonst.
Der eine Hund liegt stocksteif unterm Tisch. Der andere latscht seit einer halben Stunde ohne Sinn und Zweck durch die Wohnung. Einer bellt jedes Geräusch an, das er hört. Und einer liegt einfach nur da. Ganz still. Fast unauffällig.
Vier Hunde, vier komplett unterschiedliche Bilder. Und trotzdem kann bei allen vieren dasselbe los sein.
Angst hat viele Gesichter.
Und Silvester fängt nicht an Silvester an.
Kurzer Guide, vier Fragen zu deinem Hund, danach meine persönliche Kurzeinschätzung. Per E-Mail oder als WhatsApp-Voice, wie du magst.

Angst sieht nicht immer nach Angst aus
Die einen Hunde flüchten. Andere frieren komplett ein, man merkt richtig, wie sie innerlich auf Durchzug schalten. Wieder andere werden unruhig, laufen, hecheln, können nicht mehr stillsitzen. Und manche gehen nach vorne. Bellen, knurren, schnappen sogar. Das heißt dann ganz schnell „der ist halt aggressiv“. Kann sein, muss aber nicht. Bellen, Knurren oder Schnappen kann aus Angst, Unsicherheit oder Überforderung entstehen, oft ist es sogar genau das. Was ich dir damit sagen will: Nimm so ein Verhalten nicht vorschnell als „der ist halt so“ hin. Aber ich kann dir aus einem einzelnen Verhalten heraus auch nicht seriös sagen, was genau die Ursache bei deinem Hund ist. Dafür muss man genauer hinschauen, nicht raten.
Fachlich unterscheidet man grob zwischen einer eher zurückgezogenen und einer eher nach außen gerichteten Angstreaktion. Klingt kompliziert, ist es aber nicht: Manche Hunde ziehen sich komplett zurück. Andere werden auffällig. Beides ist Angst. Nur mit komplett unterschiedlichem Gesicht.
Und genau deshalb der Satz, den ich nicht müde werde zu wiederholen:
Ein stiller Hund ist nicht automatisch ein entspannter Hund.
Manchmal ist „er liegt ja ganz ruhig da“ das Gegenteil von Entwarnung. Das gilt übrigens auch, wenn Medikamente im Spiel sind. Da will ich ganz klar sein, weil das schnell falsch verstanden wird: Ich bin nicht gegen den Tierarzt. Bei starker Angst kann tierärztliche Unterstützung sinnvoll und notwendig sein, wenn sie individuell auf den Hund abgestimmt und tierärztlich begleitet passiert. Was ich ablehne, ist eine ganz bestimmte Haltung dahinter: Hauptsache der Hund liegt still, dann muss ich seine Angst nicht mehr sehen. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Auf der einen Seite eine Unterstützung, die sich tatsächlich am Erleben des Hundes orientiert. Auf der anderen Seite ein Hund, der für uns Menschen bloß leichter auszuhalten ist, weil er äußerlich ruhiggestellt wirkt. Genau hinzuschauen, was von beidem gerade passiert, ist meine Verantwortung als Halterin, nicht die des Hundes.

Was ich bekomme, wenn ich mir einen Hund ins Leben hole
Wenn ich mir ein Lebewesen ins Leben hole, bekomme ich nicht nur die schönen Seiten. Ich bekomme den ganzen Hund. Mit seiner Geschichte. Mit dem, was er kennengelernt hat, und mit dem, was er vielleicht nie kennengelernt hat. Mit seinen Stärken, seinen Eigenheiten und, wenn's so kommt, mit seiner Angst.
Die Antwort darauf kann für mich nicht sein: Ich kann das nicht mit ansehen, also soll der Hund gefälligst ruhig aussehen. Die Antwort ist: Was kann ich tun, damit mein Hund besser mit der Situation klarkommt?
Ich sag's mal so direkt, wie ich's meine: Wenn am 30. Dezember irgendwer im großen Stil Eierlikör für den Hund empfiehlt, dann steht das für mich symbolisch für genau die Haltung, die ich ablehne. Hauptsache schnell irgendwas rein, dann wird's schon. Silvester kommt erstaunlicherweise jedes Jahr wieder am 31. Dezember. Das war jetzt keine Überraschung. Und trotzdem tun wir jedes Jahr wieder so, als hätte uns das kalt erwischt.

Nicht jeder ängstliche Hund hat etwas Schlimmes erlebt
Suse, meine eigene Hündin, kam aus Rumänien. Und sie hatte in ihrem jungen Hundeleben ziemlich wenig kennengelernt. Autos zum Beispiel waren am Anfang der blanke Horror. Ein einfach nur geparktes Auto konnte sie so hochfahren, dass sie mich fast von den Füßen gerissen hat. Kein Auto war gefahren. Kein Auto hatte gehupt. Es stand einfach nur da.
Jetzt könnte man schnell sagen: Da ist bestimmt was ganz Schlimmes passiert. Kann sein. Muss aber nicht. Genauso gut kann es sein, dass ein Hund einfach nie die Gelegenheit hatte, so etwas wie ein Auto überhaupt kennenzulernen und einzuordnen. Fachlich spricht man davon, dass in wichtigen Entwicklungsphasen bestimmte Umweltreize gefehlt haben. Übersetzt heißt das: Das Gehirn hatte nie die Chance zu lernen, wie es mit bestimmten Situationen umgeht. Das ist kein Beweis für ein konkretes Trauma, das irgendwann passiert sein muss. Es ist einfach eine Lücke, die später wie ein großes Problem aussehen kann, ohne dass ein einzelnes schlimmes Ereignis dahinterstecken muss. Bei Suse weiß ich nicht, was genau in ihren ersten Monaten passiert ist, das kann ich rückwirkend gar nicht diagnostizieren. Ich weiß nur: viel hat sie einfach nicht kennengelernt.
Nicht jeder ängstliche Tierschutzhund ist traumatisiert.
Manche haben einfach nie gelernt, was für andere Hunde völlig banal ist.

Kleine Schritte statt „da muss er durch“
Wie sind wir das angegangen? Nicht mit Konfrontation. Mit ganz kleinen Schritten.
- Erst mal am Auto vorbeigehen. Nichts weiter.
- Dann die Autotür offen, Suse durfte schauen, mehr nicht.
- Irgendwann einsteigen, Motor blieb aus.
- Dann die Transportbox kennenlernen, in Ruhe, ohne Zeitdruck.
- Motor an, Auto stand.
- Und irgendwann die ersten ganz kurzen Strecken.
Viele Wiederholungen. Viel Geduld. Und ja, auch Rückschritte, das gehört dazu.
Fachlich heißt dieses Prinzip Desensibilisierung. Klingt nach Vortrag, ist aber simpel: Man fängt so klein an, dass der Hund den Reiz noch verarbeiten kann, und steigert erst dann, wenn er damit klarkommt. Nicht bevor. Genau das Gegenteil ist Reizüberflutung, im Fachjargon Flooding: den Hund einfach mit voller Wucht konfrontieren und hoffen, dass er sich schon irgendwann dran gewöhnt. Das Risiko dabei: Der Hund wird schlicht überfordert und macht keine hilfreiche neue Lernerfahrung. Und nur weil ein Hund irgendwann äußerlich nicht mehr reagiert, heißt das noch lange nicht, dass er entspannt ist oder dass da gerade eine sinnvolle Gewöhnung stattfindet. Manchmal heißt „er macht nix mehr“ einfach nur, dass er aufgehört hat, sich zu wehren.
Deshalb gilt bei Geräuschen wie Böllern dasselbe Prinzip: Eine Bölleraufnahme nicht einfach immer lauter machen, bis der Hund irgendwann nicht mehr reagiert. Sondern so leise anfangen, dass er sie noch verarbeiten kann, und erst steigern, wenn er wirklich so weit ist.
Nicht schauen, was dein Hund irgendwie aushält. Schauen, womit er tatsächlich umgehen kann.
Deshalb fangen wir Monate vorher an
Silvester kommt erstaunlicherweise jedes Jahr wieder am 31. Dezember. Das wird sich vermutlich auch nächstes Jahr nicht ändern.
Am 30. Dezember einmal irgendwas laufen lassen und erwarten, dass am nächsten Abend alles erledigt ist? Das kannst du getrost knicken.
Wer weiß, dass sein Hund empfindlich reagiert, kann früher anfangen. Beobachten, was den Hund wirklich triggert. Trainieren, in kleinen Schritten, wie eben beschrieben. Sich an Geräusche gewöhnen, in einem Tempo, das der Hund verkraftet. Anpassen, was nicht funktioniert. Rückschläge einplanen, die kommen sowieso. Wiederholen, so oft es nötig ist. Und, wenn's angebracht ist, rechtzeitig beim Tierarzt abklären, ob zusätzlich medizinische Unterstützung sinnvoll ist. Dafür braucht's Zeit. Genau die hat man im August noch. Im Dezember wird's eng.
Du willst wissen, wo ihr aktuell steht und womit ihr jetzt sinnvoll anfangen könnt?
Silvester Startklar mit Hund – jetzt starten, kostenlosHilfsmittel gehören nicht erst am 30. Dezember aus der Verpackung
Ein Hilfsmittel, das an Silvester unterstützen soll, sollte dein Hund idealerweise schon kennen, bevor's drauf ankommt. Nicht erst am 30. Dezember aus der Verpackung.
Ich erklär's dir gern mit einem Bild aus meinem Garten. Bei mir stehen eine ganz normale Gartenschere, eine elektrische Heckenschere, eine Kettensäge und ein Rasenmäher. Niemand käme auf die Idee, den ganzen Garten nur mit einer kleinen Nagelschere zu bearbeiten. Klar, ich könnte es versuchen. Die Frage ist nur: warum sollte ich?
Im Garten finden wir's völlig normal, unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben zu benutzen. Bei allem, was mit Wohlbefinden, Körper und Psyche zu tun hat, werden viele plötzlich skeptisch, sobald ein Hilfsmittel ins Spiel kommt. Als wäre das irgendwie unseriös. Ist es nicht. Es ist genau dasselbe Prinzip. Ein Werkzeug ersetzt niemanden. Aber es kann helfen, wenn man weiß, wie man's einsetzt.
Healy als Werkzeug, nicht als Wunderknopf
Eines der Werkzeuge, die ich selbst kenne und in verschiedenen Bereichen meines Alltags nutze, ist der Healy. Ich verkaufe dir hier keinen „Healy gegen Silvesterangst“. Es gibt kein Programm X, das automatisch Problem Y löst. Und es gibt keinen Knopf, der Angst einfach verschwinden lässt. Wer dir sowas verspricht, verspricht dir Blödsinn.
Was ich dir stattdessen anbieten kann: Wenn du dir über mich einen Healy zulegst, bekommst du nicht nur ein Gerät im Karton, mit dem du danach alleine dastehst und dir selbst zusammensuchen musst, was du damit überhaupt anfangen sollst. Du bekommst zusätzlich Zugang zu meiner Erfahrung, zu meiner persönlichen Begleitung, zur Einordnung, was für deinen Hund überhaupt Sinn ergibt, und zum FrequenzKRAFT-NEST, meinem Begleitbereich mit Anwendungen, Erfahrungswissen und Austausch.
Das Gerät kann bei jedem identisch sein. Die Begleitung ist es nicht.
Wenn du jetzt schon mehr über den Healy wissen willst: Healy mit Kerstin.

Ich musste selbst lernen, genauer hinzusehen
Es gab eine notwendige, längere Autofahrt mit Suse, kurz nachdem sie bei uns eingezogen war. Einsteigen war zu dem Zeitpunkt schon kein großes Problem mehr, so weit waren wir. Aber während der Fahrt war ihr Stresslevel enorm. Sie war unruhig, hat lautstark vor sich hin gejammert, und mir hat's ehrlich gesagt das Herz zerrissen, sie so zu sehen.
Ich hatte den Healy dabei und hab unterwegs eine Analyse gemacht. Das vorgeschlagene Ergebnis hat mich erst mal nicht überzeugt. Ich dachte, ich weiß es besser, und hab mich für etwas anderes entschieden. Passiert: nichts.
Also hab ich mir die Analyse noch mal in Ruhe angeschaut, statt einfach bei meiner ersten Einschätzung zu bleiben. Und hab meine Entscheidung geändert. Kurz danach wurde es hinten tatsächlich ruhiger. So sehr, dass wir angehalten haben, um nachzuschauen, ob noch alles in Ordnung ist. War es. Sie hat nur ziemlich verdutzt geguckt, als wir um die Ecke gelunzt haben.
Ob genau diese eine Anwendung dafür verantwortlich war, kann ich dir nicht beweisen. Das wäre unseriös, das zu behaupten. Was ich aber sehr genau weiß: Diese Situation hat mir gezeigt, wie schnell man glaubt, schon zu wissen, was der eigene Hund braucht, und wie sehr sich's lohnt, diese eigene Annahme noch mal zu überprüfen, statt stur dabei zu bleiben.
Die eigentliche Geschichte dahinter ist nicht „Programm X hat Problem Y gelöst“. Die Geschichte ist: Hinschauen statt automatisch glauben, dass man's schon weiß. Und genau darin steckt für mich auch, was Erfahrung eigentlich bedeutet. Nicht immer sofort die Antwort zu kennen. Sondern genauer beobachten, die eigene Entscheidung überprüfen und bei Bedarf neu justieren zu können. Das gilt für mich als Tierheilpraktikerin genauso wie für jeden, der mit seinem Hund lebt.
Was das für euren Silvesterabend konkret bedeuten kann
Umgebung, Sicherheit, ein Rückzugsort, den dein Hund schon kennt, eine Verdunkelung, die ihr vorher getestet habt, ein Ablauf, der vertraut ist, und wenn nötig tierärztliche Unterstützung, rechtzeitig abgeklärt, nicht erst am 31. Dezember um 22 Uhr. Das sind die Bereiche, die am Ende wirklich zählen.
Ich sag's dir ehrlich: Die konkreten Details dazu, was bei euch zuhause am meisten Sinn ergibt, sind zu unterschiedlich, um sie hier in ein paar Zeilen abzuhandeln. Genau deshalb baue ich diesen Bereich in den nächsten Wochen hier im Blog Stück für Stück mit echten, konkreten Inhalten aus. Wenn du jetzt schon wissen willst, wo ihr steht und was für euren Hund als nächstes sinnvoll ist, ist der schnellste Weg dahin sowieso der Guide.
Du musst heute noch nicht alles wissen
Du musst heute noch nicht wissen, was dein Hund an Silvester alles braucht. Aber du kannst heute anfangen hinzuschauen.
Silvester Startklar mit Hund – für 0 €. Ein kurzer Guide, vier Fragen zu deinem Hund, und danach eine persönliche Kurzeinschätzung von mir. Per E-Mail, oder wenn du magst per WhatsApp-Voice, dann hinterlässt du mir einfach deine Nummer.
Silvester Startklar mit Hund holenUnd nein, am 30. Dezember ist nicht der beste Zeitpunkt dafür.