📋 Fallberichte„Was kriegt der alles?“ Warum ein Futterplan allein nicht reicht
Meine erste Frage war nicht: Was kann ich ihm noch geben?
Sondern: Was kriegt der alles?
So steht es in meinen Notizen vom November 2022, vor dem ersten Termin mit diesem Rüden. Zweimal sogar. Einmal mit dem Wort Übertherapie und einem Fragezeichen dahinter. Und einmal ganz schlicht: „Was kriegt der alles?“
Um genau diese Frage geht es hier. Weil sie bei vielen Hunden, die zu mir kommen, die wichtigere ist.
Wie er zu mir kam
Ein Rüde aus Griechenland, kastriert. Beim Schäfer im Zwinger groß geworden, dann Tierheim, mit etwa einem Jahr zu seiner Halterin. Bei manchen Menschen ängstlich und misstrauisch. Im Anamnesebogen schrieb sie: „Er schreckt zusammen“.
Und dann die Haut. Rote Pfoten, gerötete Stellen am Bauch. Im Bogen stand: „Seit 2jahren immer mal wieder auftretend“. Auf die Frage, was es auslöst: „Das kann ich nicht genau beurteilen!“
Vom Tierarzt hatte sie eine Diagnose. Atopische Dermatitis. Daneben hatte sie geschrieben: „aber noch keine Behandlung erfolgt“. Einen Namen hatte sie also. Einen Weg noch nicht.
Was schon alles gelaufen war
Faul war da keiner. Antibiotikum wegen Giardien, Wurmkur, regelmäßig ein Spot-on gegen Parasiten, ein Antihistaminikum für ein paar Tage, Augensalbe wegen entzündeter Augen, Probiotika. Und über die Zeit Kräuter, Darmpulver, Schonkost aus der Dose.
Jedes einzelne Ding hatte seinen Grund. Aber wenn ich so eine Liste vor mir hab, frag ich nicht als Erstes, was noch fehlt. Ich will wissen, was da gerade alles gleichzeitig reinläuft. Und solange ich das nicht weiß, kann ich auch nicht sagen, was hilft und was stört.
Erst mal sortieren
Beim ersten Termin hab ich mir den Hund angeschaut, das Futter und die ganzen Mittelchen. Dann Bioresonanz und ein paar wenige Sachen für ihn. Und schon da kam eine kleine Anpassung, die viel über meine Arbeit sagt. In meinen Notizen steht: „Öl im tropfer, geht bei ihm besser als Globuli“. Ich richte mich nach dem Hund, nicht nach dem Schema.
In den ersten acht Wochen hab ich drei Termine hintereinander notiert. Anfang Dezember: Pfoten vorne sehr gut, hinten noch bissi rot. Mitte Dezember: zwischen den Zehen kaum noch Rötung. Mitte Januar: Haut viel besser, nur noch ab und zu Juckreiz, das Fell glänzt. Im März 2023 hatte er von 18 auf bissi was über 15 Kilo abgenommen.
Das hab ich so aufgeschrieben, wie ich es gesehen hab. Wie viel davon an welcher Veränderung lag, kann ich dir ehrlich nicht sagen. Da lief zu viel gleichzeitig.
Drei Rückschläge
Gerade verlaufen ist danach nix.
Im Mai 2023 kam der Juckreiz zurück. Er kratzte sich öfter und verlor Fell. Genau in der Zeit musste er plötzlich regelmäßig Auto fahren, obwohl er das nie richtig gelernt hatte. Für ihn war das Stress.
Im September 2024 waren die Zähne so schlecht, dass zwei raus mussten. Seine Halterin hat mir damals ganz ehrlich geschrieben: „Da ich es am Anfang verschludert habe bringen alle Mittelchen jetzt keine Besserung.“
Im Januar 2025 hat er zweimal Galle gebrochen, nachts kam Durchfall. Sie war um eins und um fünf mit ihm draußen. Am nächsten Tag war es wieder vorbei.
Vier Jahre, drei Rückschläge. So sieht das aus, wenn man einen Hund über lange Zeit begleitet. Keine Kurve, die nur nach oben geht.
Der Reflex: noch was dazu
Das Spannende an dem Fall ist für mich aber gar nicht der Hund allein.
Seine Halterin ist eine ganz Liebe. Und sie hatte genau den Reflex, den ich bei so vielen sehe: noch was dazu. Im Oktober 2023 hab ich ihr einen neuen Futterplan gerechnet. Während ich noch dran saß, kamen Fotos von Dosen, die sie irgendwo gesehen hatte. „Nur ne Idee, hab ich gerade gelesen!“
Eine Stunde, nachdem der Plan bei ihr war, kam: „Hab alles bestellt !“ Am nächsten Tag hatte sie sich beim Bestellen vertan und woanders nochmal bestellt. Und dann: „Jetzt kommt nix mehr versprochen 🙈“
Ich hab ihr zurückgeschrieben: „kriegst Du hin 🥰 is ne Umstellung und sieht am Anfang viel aus.“ Und als sie meinte, ich hätte doch einfach Nein sagen können: „Hätte ich können 🙈 aber dann hast du kein Wissen davon“. Darum geht's nämlich.
Das meine ich nicht böse. Wer einen Hund hat, dem es nicht gut geht, will was tun. Und was tun heißt meistens: noch was kaufen, noch was geben. Nur wird es mit jedem neuen Ding schwerer zu sehen, was eigentlich was macht.
Der Plan allein hat nicht gereicht
Im März 2024 schrieb sie mir, ihr Mann hätte ihr das mit den Zinkkapseln jetzt richtig erklärt. Eine Kapsel die Woche war viel zu wenig. Eine Zeit lang lief das also anders, als es auf dem Plan stand. Und keiner von uns hat es gemerkt.
Im März 2025 haben wir das Futter umgestellt. Ich hatte ihr gesagt, mit dem neuen Futter wird es einfacher. Und dann kam morgens eine Nachricht: „ich brauch jetzt mehr pülverchen als vorher !“
Ich hab ihr erst mal ausführlich erklärt, warum. Danach kamen zwei Sprachnachrichten von ihr. Mit Erklären war da nix zu holen.
Also hab ich mich hingesetzt und ihr kurz schriftlich aufgeschrieben, was sie gibt. Pro Woche. Eine Kapsel hiervon, sieben Kapseln davon, zwei Kapseln von dem. Fertig.
Fünf Minuten später kam ihre Antwort: „Super jetzt hab ich das was ich brauche als info […] ich brauch eine feste Struktur dann klappt es kennst mich ja mittlerweile 🙈“
Da stand es, von ihr selbst. Am Plan hat es nicht gelegen. Ihm hat die Form gefehlt.
Struktur gehört dazu
Und ja, irgendwann hab ich auch deutlich gesagt, wo der Rahmen ist. Im Sommer 2025 ging es wieder ziemlich hin und her. Ich hab ihr geschrieben: „Das hier ist kein Wunschkonzert.“ Wenn ihr die Einzelteile zu viel sind, geht sie zurück zum alten Plan. Und künftig bitte schriftlich, kurz und knackig.
Dreizehn Minuten später kam ihr Danke. Ein halbes Jahr danach, an Silvester, schrieb sie mir: „großes Dankeschön das du an meiner Seite bist“.
Deshalb reicht mir ein Futterplan allein nicht. Ein Plan ist schnell geschrieben. Die eigentliche Arbeit ist, dass er im Alltag auch so läuft. Erst schauen, was der Hund alles kriegt. Dann rausnehmen. Dann eine Komponente nach der anderen dazu, und jedes Mal hinschauen, was passiert. Und eine Halterin, die weiß, was heute dran ist, ohne fünf Sprachnachrichten vorher.
Wenn bei dir gerade Dosen, Pülverchen und Tropfen im Schrank stehen und du den Überblick verloren hast, dann lass uns erst mal sortieren. Im Kennenlern- und Sortiergespräch schauen wir zusammen drauf, was dein Hund alles kriegt. Danach entscheidest du, ob das zu dir passt.
Deine Kerstin
Erst mal sortieren
Wenn bei dir im Schrank Dosen, Pülverchen und Tropfen stehen und du nicht mehr weißt, was davon eigentlich was macht: Im Kennenlern- und Sortiergespräch schauen wir zusammen drauf, was dein Hund alles kriegt. Danach entscheidest du, ob das zu dir passt.
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