📋 FallberichtePhoebe: „Du quälst deinen Hund. Du musst sie gehen lassen.“
„Du quälst deinen Hund. Du musst sie gehen lassen.“
Das hab ich zu Phoebe gehört. Und ich hatte die Hosen voll.
Phoebe war meine Seniorin. Rumänisches Shelter, eine meiner ersten eigenen Tierschutzhunde, zusammen mit May. Geboren am 18. September 2009. Am 2. Juni 2026 hat sie ihr Köfferchen gepackt, mit fast siebzehn.
Wie das mit ihrem Vestibularsyndrom losging, hab ich hier schon erzählt. Das lass ich heute weg. Heute geht es um das, was danach kam. Um zwei Entscheidungen, die ich getroffen hab. Und um eine Frage, die ich mir seitdem stelle.
Wo der Satz herkam
Dreizehneinhalb war sie, als es sie das erste Mal umgehauen hat. März 2023. Nach zwei, drei Anwendungen und Infusionen vor Ort hat unsere Tierärztin damals gesagt, sie könne nichts mehr tun. Und dann kam dieser Satz.
Ich hab das im Webinar später so erzählt, und das ist bis heute meine ehrliche Sicht: Das war ein Satz, den ich „nicht ganz so cool fand, ehrlicherweise, weil sie mir auch Angst gemacht hat und ein bisschen in die Schuldecke uns geschoben hat.“
Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Eine Tierärztin, die so einen Hund vor sich hat, muss irgendwas sagen. Und ich stand da und war in dem Moment keine Therapeutin.
Ich war nur Hundemensch
Das klingt komisch, wenn man das von mir liest. Ich mach das hier seit sieben Jahren. Ich sitz jeden Tag mit Menschen zusammen, deren Hund irgendwo festhängt, und sortiere mit ihnen.
Bei Phoebe ging das nicht. Ich war, so hab ich es im Webinar gesagt, „einfach nur die kleine Kerstin, die die Hosen voll hatte und dachte sich so: nee, nicht schon wieder jemanden verlieren.“
Nicht schon wieder. Meine Mama war im März 2023 gestorben. Da war in mir einfach nichts mehr übrig, um klar zu denken.
Was mich da rausgeholt hat, war nicht mein Können. Ich hab mich mit Kolleginnen kurzgeschlossen und mit Tierärzten, die auch mit dem Healy, meinem Frequenzgerät, arbeiten. Die haben mir geholfen, „aus den Scheuklappen erstmal rauszukommen“. Wir haben ein Konzept gestrickt, und nach relativ kurzer Zeit war sie wieder stabil.
Das ist für mich bis heute der wichtigste Teil an der Geschichte. Nicht dass ich es wusste. Sondern dass ich gemerkt hab, dass ich es gerade nicht weiß, und mir jemanden dazugeholt hab.
Der zweite Zusammenbruch
Sie war stabil. Und dann kam es wieder, und zwar heftiger.
Diesmal bin ich mit ihr in die Tierklinik. Infusionen. Dann der Verdacht aufs Herz. Dann der Verdacht auf einen Tumor. Und dann der Vorschlag: MRT.
Ich hab Nein gesagt.
Das war keine Bauchentscheidung aus Panik. Das war die klarste Entscheidung, die ich in der ganzen Zeit getroffen hab. Zwei Gründe hatte ich.
Der erste: „In dem Alter pack ich sie nicht mehr in ein MRT und gönne ihr diesen Stress.“ Eine alte Hündin, der eh schon schwindelig ist, für eine Untersuchung in Narkose legen. Nee.
Der zweite ist der ehrlichere: „Wenn ein Tumor da ist, wollte ich es auch gar nicht wissen.“
Das klingt erst mal nach Kopf in den Sand. Ist es nicht. Ich hab mich gefragt: Was mach ich denn anders, wenn da einer ist? Und die Antwort war: nichts. Ich hätte sie nicht operieren lassen. Ich hätte sie genauso weiter begleitet wie vorher. Der Befund hätte mir Angst gemacht und ihr Stress. Für ihren Alltag hätte er nichts geändert.
Was dann zu Hause war
Wir sind heim. Ruhe. Kein Wartezimmer, keine Infusion, keine fremden Hände.
Und dann hab ich ihr ins Ohr geguckt. Da war eine dicke, unbehandelte Ohrenentzündung.
Ich erzähl das nicht, um jemandem was vorzuwerfen. Mir selbst ist sie ja vorher auch nicht aufgefallen. Wenn ein Hund umkippt und alle Alarmglocken schrillen, schaut man aufs Herz und in den Kopf, nicht ins Ohr. Erst als es ruhig war, hab ich wieder richtig hingeschaut.
Ob die Ohrenentzündung an diesem zweiten Zusammenbruch mitgedreht hat, und wie viel, kann ich dir nicht sagen. Das weiß ich nicht. Aber gefunden hab ich sie nur, weil Ruhe war.
Die Frage, die ich mir seitdem stelle
Seit Phoebe frag ich mich vor jeder Untersuchung, bei meinen eigenen Hunden genauso wie bei den Hunden, die zu mir kommen:
Würde die Antwort etwas an dem ändern, was ich tue?
Wenn ja, dann machen wir die Untersuchung. Dann ist sie Gold wert, und dann bin ich die Erste, die sagt: Geh zum Tierarzt, lass das abklären.
Wenn nein, dann darf man sich die Frage stellen, für wen man sie macht. Für den Hund? Oder für die eigene Angst?
Bei einem jungen Hund sieht diese Rechnung oft anders aus als bei einer fast Siebzehnjährigen. Das muss jeder für seinen Hund selbst entscheiden. Aber stellen sollte man sich die Frage.
Gut drei Jahre
Nach dem Satz „Du musst sie gehen lassen“ haben wir noch gut drei Jahre zusammen bekommen. Gute Jahre. Mit Kissenburg in der Wohnzimmerecke, mit Umbauen im Haus, damit sie nicht stürzt, mit ihr, wie sie über Suse gelaufen ist, was Suse überhaupt nicht cool fand.
Und dann ist sie gegangen. Am 2. Juni 2026.
Es ging nie darum, sie zu retten. Sie war alt. Es ging darum, dass die Zeit, die sie noch hatte, ihre Zeit war. Nicht die Zeit im Wartezimmer, nicht die Zeit in Narkose, nicht die Zeit, in der ich mit Panik in den Augen neben ihr sitze. Das ist für mich Würde bei einem alten Hund. Dass er so leben darf, wie es für ihn noch geht. Und so gehen darf, wie es für ihn passt.
Und ich
Im November letzten Jahres hab ich ein Webinar über alte Hunde gehalten. Phoebe lebte da noch. Ich kam an die Stelle, wo es um den letzten Weg geht, und mir ist die Stimme weggebrochen. Mitten in der Präsentation.
Ich hab dann gesagt: „Sag mal, welches Kamel hat denn gesagt, dass ich von meinem Skript abweichen soll?“
Einmal schlucken. Und dann hab ich es so stehen lassen, wie es war: „Ich habe zwar jetzt kürzlich keinen Hund verloren, aber Menschen. Und ja, das kommt halt manchmal hoch.“
Ich erzähl dir das, weil ich hier nicht die Frau bin, die über solchen Entscheidungen steht. Ich steh mittendrin. Genau wie du, wenn dein Hund alt wird.
Und genau dafür hab ich dir was zusammengestellt. Mein kostenloses Geschenk „Der ist halt alt“. Da geht es darum, was beim Altwerden einfach dazugehört, wo du genauer hinschauen solltest und welche Fragen du dir stellen kannst, bevor die nächste Untersuchung ansteht. Du kannst es dir unten holen.
Deine Kerstin
Der ist halt alt
Mein kostenloses Geschenk für dich, wenn dein Hund älter wird und du nicht mehr weißt, was normales Altwerden ist und wo du genauer hinschauen solltest.
Geschenk kostenlos holen