🔮 FrequenzweltWarum dein Hund unter starkem Stress kaum noch lernen kann
Manchmal ist dein Hund nicht stur oder unwillig. Er ist einfach komplett drüber. Und wenn ein Hund wirklich unter starkem Stress steht, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn Lernen plötzlich kaum noch funktioniert.
Das musste ich mit meiner Schäferhündin damals in der Hundeschule ziemlich leidvoll lernen.
Sie war in bestimmten Situationen so angespannt, dass sie nichts mehr genommen hat. Keine Leckerlis, kein „probier doch mal das", gar nichts. Die Antwort darauf war damals sinngemäß: Dann müssen eben mehr Leckerlis in den Hund.
Also wurde versucht, sie mit Futter doch noch irgendwie ins Training zu bekommen.
Hat nicht funktioniert.
Heute ist mir völlig klar, warum. Sie war nicht einfach mäkelig und sie hatte auch nicht beschlossen, an diesem Tag besonders kompliziert zu sein. Sie war so drüber, dass Futter und Lernen in diesem Moment schlicht keine Rolle mehr gespielt haben.
Irgendwann standen wir dann eher als die Komischen da. Der Hund war komisch, ich vermutlich gleich mit, und am Ende sind wir aus der Hundeschule rausgeflogen.
Rückblickend war das für mich eine ziemlich wichtige Lektion. Denn manchmal liegt das Problem nicht darin, dass ein Hund eine Übung nicht machen will. Manchmal ist das Training einfach längst am Hund vorbeigelaufen.
Unter starkem Stress kann keiner vernünftig lernen
Eigentlich kennen wir das von uns selbst.
Wenn dir gerade alles um die Ohren fliegt, du Angst hast oder innerlich komplett unter Strom stehst, ist das wahrscheinlich nicht der Moment, in dem du begeistert ein kompliziertes neues Thema lernst.
Du kannst natürlich irgendwie funktionieren. Vielleicht kannst du auch etwas tun, was du schon tausendmal gemacht hast. Aber konzentriert etwas Neues aufnehmen, sauber verarbeiten und dabei gute Entscheidungen treffen, wird deutlich schwieriger.
Beim Hund ist das nicht anders.
Unter starkem Stress ist die Denk- und Lernfähigkeit deutlich eingeschränkt. Bei massiver Angst oder Panik kann sie zeitweise praktisch nicht mehr vernünftig zur Verfügung stehen.
Und genau deshalb bringt es nichts, in solchen Situationen einfach noch mehr vom Gleichen zu machen.
Noch ein Leckerli.
Noch einmal das Signal.
Noch einmal probieren.
Noch einmal „komm, das kannst du doch".
Kann er vielleicht tatsächlich. Aber vielleicht gerade nicht.
„Der kann das doch" ist nicht immer die richtige Frage
Das ist ein Punkt, den ich inzwischen viel wichtiger finde.
Wir Menschen speichern Übungen gerne ab wie einen Haken auf einer Liste. Sitz kann er. Platz kann er. Rückruf kann er. Futter nimmt er normalerweise auch.
Und dann wundern wir uns, wenn all das in einer bestimmten Situation plötzlich nicht mehr funktioniert.
Nur ist ein Hund keine Maschine. Vielleicht hatte er vorher schon eine blöde Begegnung. Vielleicht war der Tag voller als sonst. Vielleicht hat er schlecht geschlafen. Vielleicht ist körperlich irgendetwas im Hintergrund, was wir noch gar nicht bemerkt haben. Vielleicht ist dieser eine Reiz heute einfach der Tropfen, der das Fass vollmacht.
Das bedeutet nicht, dass ich bei jeder Kleinigkeit gleich ein riesiges Problem daraus machen muss.
Aber ich kann mich fragen: Kann mein Hund diese Übung grundsätzlich? Und kann er sie gerade?
Das sind zwei völlig unterschiedliche Fragen.
Futter kann dabei ein ziemlich guter Hinweis sein
Nein, ein Hund, der einmal kein Leckerli nimmt, ist nicht automatisch in Panik.
Aber wenn ich einen Hund kenne, der normalerweise gern frisst, und der in einer bestimmten Situation plötzlich überhaupt nichts mehr nimmt, dann interessiert mich das.
Dann ist meine erste Frage nicht: Brauche ich bessere Leberwurst? Meine erste Frage ist: Wie geht es meinem Hund gerade?
🐾 Kann er mich noch anschauen?
🐾 Kann er etwas ganz Einfaches machen, das er gut kennt?
🐾 Kann er sich von dem Reiz wieder lösen?
🐾 Findet er nach kurzer Zeit zurück?
🐾 Oder steht er zwar körperlich neben mir, ist aber gedanklich längst irgendwo ganz anders?
Solche Dinge erzählen mir oft viel mehr über die Situation als die Frage, ob mein Hund gerade ordentlich neben meinem Knie sitzt.
Bevor ich trainiere, möchte ich ein Leuchtturm sein
Ich habe für meine Arbeit mit Hunden immer dieses Bild vom Leuchtturm im Kopf.
Ich möchte für meinen Hund jemand sein, an dem er sich orientieren kann. Nicht, weil ich jede Situation kontrollieren kann. Das kann niemand. Und auch nicht, weil mein Hund nie selbst eine Entscheidung treffen soll.
Aber gerade ein unsicherer Hund braucht einen Menschen, der verlässlich ist.
Einen Menschen, bei dem er im Laufe der Zeit lernen kann: Die Olle passt auf. Wenn sie entspannt bleibt, muss ich vielleicht nicht sofort völlig hochfahren. Wenn sie sagt, wir gehen hier weg, dann gehen wir. Und wenn sie mich irgendwo mit hinnimmt, schmeißt sie mich nicht einfach blind in etwas hinein, womit ich überhaupt nicht umgehen kann.
So etwas entsteht nicht an Silvester um kurz vor Mitternacht. Das entsteht jeden Tag ein bisschen.
Hunde beobachten uns ohnehin ziemlich genau. Sie sehen, wie wir reagieren, ob wir plötzlich hektisch werden, die Leine kurz nehmen, die Luft anhalten oder schon drei Meter vorher denken: Oh Gott, da vorne kommt etwas.
Das bedeutet nicht, dass ich immer tiefenentspannt durch die Gegend schweben muss. Das wäre auch albern.
Es bedeutet für mich eher, möglichst berechenbar zu sein.
Ein unsicherer Hund braucht nicht noch die komplette Verantwortung
Ich halte auch wenig von der pauschalen Aussage, ein Hund müsse in schwierigen Situationen einfach selbst entscheiden dürfen.
Bei einem souveränen Hund, der gute Lösungen kennt und sich sicher in der Welt bewegt, kann das wunderbar funktionieren.
Ein Hund, der gerade Angst hat und komplett drüber ist, braucht aber nicht zusätzlich die Verantwortung dafür, die Gesamtlage zu regeln.
Wenn seine beste Idee in diesem Moment lautet, kopflos wegzurennen, dann ist es meine Aufgabe, ihm eine bessere Orientierung zu geben.
Das ist für mich Führung.
Nicht Druck.
Nicht Zwang.
Sondern verlässlich da sein und Entscheidungen übernehmen, wenn der Hund sie gerade nicht vernünftig treffen kann.
Und nein, Angst wird nicht durch Zuwendung belohnt
Auch dieser alte Satz hält sich erstaunlich hartnäckig: Bloß nicht trösten, sonst verstärkst du die Angst.
Ein Hund entscheidet sich nicht bewusst dafür, Angst zu haben, weil es sich lohnt, hinterher gestreichelt zu werden.
Wenn mein Hund Angst hat, darf ich für ihn da sein.
Das heißt trotzdem nicht, dass jeder Hund in so einer Situation festgehalten, umarmt oder pausenlos angefasst werden möchte. Manche Hunde suchen Nähe. Andere brauchen etwas Raum. Manche lehnen sich an ihren Menschen, andere möchten einfach nur wissen, dass er da ist.
Auch hier hilft wieder dieselbe unglaublich komplizierte Methode: Hund anschauen.
Die Basis kommt vor dem eigentlichen Geräuschtraining
Wenn wir über Silvester sprechen, möchten viele Menschen verständlicherweise sofort etwas gegen die Geräusche tun.
Wo bekomme ich eine Geräusch-CD her? Welche Aufnahme nehme ich? Wie oft soll ich sie abspielen?
Das kann später alles eine Rolle spielen.
Aber bevor ich mit einem Hund gezielt Geräusche trainiere, interessiert mich die Basis.
Kann mein Hund sich in normalen Situationen an mir orientieren? Kann er kleine Aufgaben lösen, die er wirklich gut kennt? Kann er sich für ein paar Minuten ruhig mit etwas beschäftigen? Kann er Futter suchen? Kann er Erfolg erleben?
Und vor allem: Habe ich ein Gefühl dafür, wann er noch gut dabei ist und wann er langsam anfängt, komplett drüber zu sein?
Das ist auch der Grund, warum sinnvolle Vorübungen für Geräuschangst teilweise überhaupt nichts mit Geräuschen zu tun haben.
Erst wird etwas in Ruhe aufgebaut, zum Beispiel eine einfache Aufgabe, eine konzentrierte Futtersuche oder eine kleine Übung, die der Hund kennt und lösen kann.
Nicht alles muss sofort mit dem Problemgeräusch kombiniert werden.
Wiederholen allein macht noch kein gutes Lernen
Auch das wird gerne verwechselt.
Nur weil ein Hund etwas oft erlebt, bedeutet das noch lange nicht, dass er automatisch lernt: Ach, ist ja gar nicht schlimm.
Er kann genauso gut lernen: Schon wieder dieser Mist. Oder: Hier komme ich nicht weg. Oder: Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Oder er versucht, aus der Situation irgendeine Lösung abzuleiten, die für ihn in diesem einen Moment funktioniert hat, beim nächsten Mal aber überhaupt nicht mehr passt.
Gerade bei Angst können solche Fehlverknüpfungen entstehen, ohne dass wir Menschen überhaupt merken, was der Hund gerade daraus gemacht hat.
Deshalb ist „da muss er durch" für mich kein vernünftiges Konzept.
Natürlich muss ein Hund im Leben Dinge aushalten. Wir können ihn nicht in Watte packen und jedes unangenehme Geräusch bis an sein Lebensende verhindern.
Aber ich möchte einen Unterschied machen zwischen: Mein Hund bewältigt eine Situation. Und: Mein Hund übersteht sie irgendwie.
Das ist nicht dasselbe.
Genau deshalb ist September ein guter Zeitpunkt
Wir haben noch Zeit. Das ist weiterhin unser größter Vorteil.
Wir müssen jetzt keinen Hund innerhalb weniger Tage silvesterfest bekommen. Wir können erst einmal herausfinden, wo er überhaupt steht.
🐾 Wie schnell wird er hektisch?
🐾 Woran erkenne ich, dass es ihm langsam zu viel wird?
🐾 Wie schnell findet er wieder zurück?
🐾 Kann er sich an mir orientieren?
🐾 Welche Dinge kann er auch dann noch gut, wenn ein bisschen Aufregung dazukommt?
🐾 Und wo habe ich vielleicht bisher gedacht, mein Hund wolle nicht, obwohl er eigentlich längst nicht mehr konnte?
Diese Fragen bringen uns sehr viel weiter als der nächste hektische Trainingsplan.
Silvester Startklar mit Hund
Genau deshalb beginnt „Silvester Startklar mit Hund" nicht mit einem fertigen Standardprogramm.
Du beantwortest mir zuerst vier Fragen zu deinem Hund und eurer Situation. Ich schaue mir deine Antworten persönlich an und gebe dir eine kurze Einschätzung dazu, wo ich euch gerade sehe und wo es Sinn ergeben könnte, genauer hinzuschauen.
Danach bekommst du den passenden Guide.
Und wenn wir dabei merken, dass mehr Unterstützung sinnvoll ist, schauen wir individuell weiter. Das kann Verhalten betreffen, zusätzliche Belastungen, Frequenzen oder Bachblüten als ergänzende Werkzeuge aus meiner Arbeit. Vielleicht gehört ein guter Hundetrainer dazu, vielleicht ein Tierarzt oder vielleicht ist eine Kombination sinnvoll.
Kein Schema F. Ein Hund. Eine Situation.
Und zuerst die Frage: Kann dieser Hund gerade überhaupt noch vernünftig lernen?
Du musst heute keinen perfekten Silvesterplan haben
Mit Silvester Startklar mit Hund bekommst du von mir einen kurzen Fahrplan und vier Fragen zu deinem Hund und eurer Situation, kostenlos.
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