Erstverschlimmerung beim Hund? Es wird schlimmer statt besser, und jetzt
Es ist zehn Uhr abends. Du sitzt auf dem Sofa, der Hund liegt neben dir, und du hältst das Handy in der Hand.
Vor vier Tagen habt ihr etwas umgestellt. Das Futter, ein Zusatz, irgendwas. Und statt besser ist es schlechter geworden.
Und jetzt tippst du das ein, was Tausende vor dir eingetippt haben: wird gerade schlimmer, ist das normal.
Ich weiß, dass diese Frage gestellt wird, weil ich nachgeschaut habe. Google schlägt sie zu jeder Methode vor, die es gibt. Zu Futterumstellungen, zu Kräutern, zu Bachblüten, zu Bioresonanz, zu allem.
Und ich weiß auch, dass sie fast nirgends beantwortet wird.
Erstverschlimmerung beim Hund: warum ich dieses Wort nicht als Antwort benutze
Es gibt ein Wort, das dir in so einem Moment sofort jemand hinwirft. Erstverschlimmerung.
Und dazu meistens den Satz: Das gehört dazu, mach einfach weiter.
Ich benutze dieses Wort nicht als Antwort. Aus einem einfachen Grund: Es erklärt nichts. Es beendet nur das Nachdenken.
Wenn es deinem Hund schlechter geht, dann gibt es dafür mehrere mögliche Gründe. Es kann sein, dass die Umstellung zu schnell ging. Es kann sein, dass gleichzeitig noch etwas anderes passiert ist, das mit der Umstellung gar nichts zu tun hat. Es kann sein, dass etwas nicht vertragen wird. Und es kann sein, dass da etwas ist, das mit einem Tierarzt abgeklärt gehört.
Ein Wort, das all diese Möglichkeiten in einen Topf wirft und daraus ein Weitermachen ableitet, ist kein Wissen. Es ist eine Beruhigung. Und Beruhigung ist genau das Falsche, wenn dein Bauch dir gerade sagt, dass etwas nicht stimmt.
Ich weiß es in dem Moment auch nicht
Das ist der Satz, den ich sagen muss, auch wenn er sich seltsam liest bei jemandem, der davon lebt.
Wenn du mir um zehn Uhr abends schreibst, dass es schlechter geworden ist, dann weiß ich in dem Moment auch nicht, woran es liegt. Ich habe deinen Hund nicht gesehen. Ich weiß nicht, was bei euch in den letzten Tagen sonst noch los war.
Jeder, der dir am Telefon ohne Nachfragen sagt, was dein Hund hat, rät. Der rät nur schneller als du.
Der Unterschied ist nicht, dass ich es weiß. Der Unterschied ist, dass ich nicht rate, sondern schaue.
Die drei Fragen, die ich dann stelle
Das ist keine Zauberei, das ist Handwerk. Und du kannst es selbst machen, heute Abend noch.
Erstens: seit wann genau. Nicht seit ein paar Tagen. Seit wann genau. Datum, Uhrzeit wenn möglich. Du wirst überrascht sein, wie oft sich dabei herausstellt, dass es schon zwei Tage vor der Umstellung angefangen hat.
Zweitens: was war in den drei Tagen davor anders. Und jetzt kommt der Teil, den fast alle zu eng fassen. Nicht nur das Futter. Alles. Besuch da. Ein Gewitter. Umgestellter Tagesablauf. Ein neues Leckerli beim Training. Der Wurm, den er unterwegs gefressen hat. Du warst gestresst, weil im Job gerade die Hölle los ist.
Drittens: wie ist er sonst drauf. Frisst er. Trinkt er. Kommt er zur Ruhe. Steht er normal auf. Begrüßt er dich wie immer. Das ist die wichtigste Frage von allen, weil sie zwischen unangenehm und ernst unterscheidet.
Schreib das auf. Nicht in den Kopf, auf Papier oder ins Handy. Ein Hund, dessen Verlauf aufgeschrieben ist, ist ein völlig anderer Fall als ein Hund, dessen Verlauf jemand aus dem Gedächtnis erzählt.
Wo die Grenze ist, und die ist nicht verhandelbar
Es gibt Dinge, bei denen wird nicht beobachtet, sondern gefahren.
Wenn dein Hund apathisch ist. Wenn er wiederholt erbricht. Wenn Blut dabei ist, im Kot oder im Erbrochenen. Wenn der Bauch hart oder aufgetrieben ist. Wenn nichts drin bleibt, auch kein Wasser. Wenn er sich nicht mehr aufrichten will.
Dann ist das kein Thema für mich, dann ist das ein Thema für deinen Tierarzt. Sofort. Nicht morgen früh.
Ich schreibe das so deutlich hin, weil es dazugehört. Ich schicke Hunde zum Tierarzt, das ist Teil meiner Arbeit und kein Eingeständnis. Wer dir erzählt, er könne alles auffangen, ist entweder unerfahren oder unehrlich.
Warum diese Frage niemand beantwortet
Weil jede Antwort zwischen zwei Fehlern steht.
Wer sagt, alles normal, mach weiter, riskiert, dass etwas Ernstes übersehen wird. Und das ist der schwerste Vorwurf, den man jemandem in meinem Beruf machen kann, zu Recht.
Wer sagt, brich sofort ab, hat hinterher nichts mehr anzubieten.
Also sagt fast keiner etwas. Und du sitzt um zehn Uhr abends da und suchst weiter.
Der eigentliche Grund, warum an dieser Stelle so viele aufhören
Und jetzt kommt der Teil, der mir persönlich am wichtigsten ist.
Genau hier, in diesem Moment, brechen die meisten ab. Nicht weil sie nicht wollen. Sondern weil sie in dieser Unsicherheit alleine sitzen und niemanden haben, den sie fragen können.
Und danach sagen sie den Satz, den ich fast jede Woche höre: Hab ich probiert, bringt nix.
Das ist kein Einzelfall und es liegt nicht an den Leuten. Es gibt Untersuchungen dazu, und die Zahlen sind deutlich: Tierärzte gehen bei etwa der Hälfte der Hundehalter davon aus, dass ein Behandlungsplan nicht sicher eingehalten wird. In einer Untersuchung zu selbst zubereitetem Futter ist gut ein Drittel wieder zur alten Fütterung zurück, und bei fast der Hälfte davon lag es nicht daran, dass es nicht geholfen hätte. Es lag am Aufwand.
Und noch eine Zahl, die mich beim Lesen getroffen hat: Je mehr Anweisungen jemand auf einmal mitbekommt, desto weniger wird umgesetzt. Ab etwa fünf wird es dünn.
Das heißt im Klartext: Wer dir zehn Dinge auf einmal mitgibt, hat dir nicht geholfen. Der hat sich nur abgesichert.
Was das über dich sagt: nichts
Ich hatte mal ein Frauchen, hochmotiviert, alles besprochen, alles verstanden, alles da. Und es hat zwei Wochen gedauert, bis das Zeug zum ersten Mal im Futter war.
Zwei Wochen. Sie war nicht faul. Sie hatte Schiss, etwas falsch zu machen.
Und bevor ich hier jetzt den Zeigefinger auspacke: Ich kenne das. Nur andersrum. Wenn es um meine Hunde geht, drehe ich den Arsch, da wird nichts vergessen und nichts verschoben. Bei mir selbst bin ich liederlich.
Angst ist nicht der Fehler. Angst heißt, dass es dir wichtig ist. Sie darf nur nicht das Steuer übernehmen.
Wie ich deshalb arbeite
Ein Ding nach dem anderen. Das kleinste, das du dir zutraust, und dann das nächste.
Aufschreiben statt erinnern.
Und jemand, den du fragen kannst, wenn es um zehn Uhr abends schlechter wird. Denn genau da entscheidet sich, ob aus einem Weg ein Ergebnis wird oder wieder nur ein Versuch, den du irgendwann abhakst.
Es ist gerade wieder da?
Dann geh die sechs Fragen durch. Du bekommst am Ende eine Einordnung und ein Protokoll, das du mitnehmen kannst. Kostenlos, ohne Anmeldung.
Zum Tool: Es ist wieder da