Ersttermin Hund: fünf Meinungen und trotzdem kein Plan
Ein Ersttermin für deinen Hund ist für die meisten Frauen, die bei mir landen, nicht der erste Termin. Er ist ungefähr der sechste.
Da war der Haustierarzt. Dann die Überweisung in die Klinik. Dann noch eine zweite Meinung, weil die erste sich komisch angefühlt hat. Dazwischen eine Ernährungsberatung. Und irgendwo noch die Kollegin aus dem Hundeverein, die selbst mal eine Ausbildung angefangen hat.
Fünf Meinungen. Und du hast trotzdem keinen Plan.
Warum du vor dem Ersttermin fünf Meinungen hast und keinen Plan
Das liegt nicht daran, dass diese Menschen schlecht gearbeitet haben. Meistens haben sie sogar richtig gearbeitet.
Es liegt daran, dass jeder von ihnen durch sein eigenes Fenster geschaut hat.
Der Tierarzt schaut auf das, was messbar ist, und das ist gut so. Der Ernährungsberater schaut auf den Napf. Der Hundetrainer schaut auf das Verhalten. Die Physiotherapeutin schaut auf den Bewegungsapparat.
Jeder sieht einen Ausschnitt. Und jeder Ausschnitt ist für sich genommen richtig.
Nur sitzt am Ende niemand da und sagt dir, wie diese Ausschnitte zusammenhängen. Und schon gar nicht, was du zuerst machst.
Deshalb hast du fünf Empfehlungen und keine Reihenfolge. Und deshalb hast du das Gefühl, du müsstest alles gleichzeitig tun, was natürlich nicht geht, und dann machst du am Ende nichts richtig.
Das ist kein Versagen. Das ist ein Systemproblem.
Was ich im Ersttermin anders mache
Ich mache im Ersttermin nichts Magisches. Ich mache etwas Unspektakuläres, das sich nur leider fast niemand die Zeit nimmt.
Ich schaue mir alles gleichzeitig an.
Das heißt konkret: Wir gehen die komplette Vorgeschichte durch. Nicht nur die letzten drei Monate, sondern zurück bis dahin, wo es angefangen hat. Oft merken Frauen im Gespräch selbst zum ersten Mal, dass zwischen dem Umzug vor zwei Jahren und dem Beginn der Hautgeschichte vielleicht ein Zusammenhang besteht.
Wir gehen den Alltag durch. Wie viel Schlaf. Wie viele Reize. Wie viele Hände waren schon an diesem Hund dran. Was hat er bekommen, wann, wie lange, und was ist dabei passiert.
Wir gehen den Napf durch. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern um zu verstehen, was der Körper gerade verarbeiten muss.
Und wir gehen dich durch. Das ist der Teil, den manche erst mal seltsam finden. Ich frage, wie es dir gerade geht, wie viel du selbst noch auf der Kette hast, was du realistisch umsetzen kannst. Nicht aus Neugier. Sondern weil ein Plan, den du in deinem echten Leben nicht schaffst, kein Plan ist, sondern nur der nächste Punkt auf deiner Liste, an dem du scheiterst.
Und dann ordne ich das. Ich sage dir, was ich zuerst angehen würde, was danach kommt, was ich bewusst erst mal liegen lasse, und woran du merkst, dass ein Schritt durch ist.
Was du danach in der Hand hast
Nicht ein Mittel. Das ist wichtig, das sage ich gleich am Anfang.
Du gehst nicht mit einer Tüte raus. Du gehst mit einer Reihenfolge raus.
Und das ist der Punkt, an dem sich für die meisten etwas löst. Ich krieg nach so einem Termin oft eine Nachricht, die ungefähr so klingt: "Ich hab zum ersten Mal seit einem Jahr das Gefühl, dass das Ganze einen Anfang hat."
Was sich im Alltag konkret ändert:
Du hörst auf, jeden Abend zu googeln. Weil du weißt, was gerade dran ist.
Du kannst beim nächsten Tierarztbesuch gezielt fragen statt hilflos zu nicken. Du weißt, was du wissen willst.
Du gibst nicht mehr fünf Dinge gleichzeitig. Und dadurch kannst du zum ersten Mal überhaupt sehen, ob etwas wirkt.
Und du hörst auf, dich für eine schlechte Hundemama zu halten. Das ist ehrlich gesagt der Teil, der mir am meisten bedeutet.
Für wen der Ersttermin passt und für wen nicht
Der Ersttermin passt, wenn bei deinem Hund mehrere Dinge gleichzeitig laufen und du nicht mehr weißt, wo du anfangen sollst. Wenn du eine Odyssee hinter dir hast. Wenn du das Wort "austherapiert" schon mal gehört hast oder selbst gedacht hast.
Er passt nicht, wenn dein Hund gerade akut krank ist. Dann gehört er zum Tierarzt und nicht zu mir, und das sage ich dir auch am Telefon, ohne dir vorher Geld abzunehmen.
Und er passt auch nicht, wenn du eigentlich nur eine schnelle Bestätigung willst, dass du alles richtig machst. Dafür bin ich die Falsche. Ich sage dir auch Dinge, die du vielleicht nicht hören willst.
Und danach?
Bei manchen reicht der Ersttermin. Die haben ihren Fahrplan, setzen ihn um, und ich höre ein halbes Jahr später, dass es läuft. Das ist völlig in Ordnung und ehrlich gesagt das schönste Ergebnis.
Bei anderen zeigt sich im Termin, dass da mehr dran hängt. Dass das über Monate begleitet gehört, mit Anpassungen unterwegs, weil sich der Hund verändert. Dann sprechen wir über eine Intensivbegleitung. Aber immer erst danach, nie vorher. Ich verkaufe keine Begleitung an jemanden, von dem ich noch nicht weiß, ob er sie überhaupt braucht.
Du hast fünf Meinungen gesammelt. Vielleicht brauchst du keine sechste.
Vielleicht brauchst du jemanden, der die fünf endlich mal nebeneinanderlegt.
Ganzheitlicher Ersttermin und Fahrplan
Neunzig Minuten, in denen wir alles zusammen anschauen: Hund, Vorgeschichte, Alltag und dich. Danach hast du eine Reihenfolge statt einer weiteren Meinung.
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