📋 FallberichteBeim ersten Termin wollte er mich fressen. Beim dritten fand er mich nicht mehr so doof
Beim ersten Termin wollte er mich fressen. So kam es uns jedenfalls vor, seinen Menschen und mir.
Beim dritten Termin fand er mich nicht mehr so doof.
Dazwischen liegen gut zehn Wochen. Der erste Termin war im Juli, ein Hausbesuch. Der dritte am 1. Oktober. Und genau um diese zehn Wochen geht es hier. Nicht um einen Moment, in dem plötzlich alles anders war.
Wie er zu mir kam
Ein kräftiger Rüde, knapp 30 Kilo. Seit seinem ersten Lebensjahr hatte er Probleme mit dem Darm. Vier, fünf Mal Kot am Tag, weich, Schleim, zeitweise blutige Fäden. Dazu die Haut: gekratzt bis blutig, Hals, Brust, Ohren, Pfoten. Er hatte über Jahre Trockenfutter bekommen, viele Futterwechsel hinter sich und beim Tierarzt regelmäßig eine Spritze gegen den Juckreiz.
Seine Halterin hatte in einer Hundegruppe den Tipp bekommen, es noch mal mit Bioresonanz zu probieren. Sie hat gegoogelt, mich gefunden, wir haben telefoniert, und dann stand ich bei ihnen im Haus.
Und da war noch was. In meinen Notizen vor dem ersten Termin steht: fremde Menschen, Hunde, Nähe, Besuch, Kinder. Hohe Wachsamkeit, Drohen, Knurren, Schnappen möglich. Für mich war klar: Der ist nicht böse. Der regelt, wenn es ihm zu viel wird.
Der erste Termin
Wie dieser erste Nachmittag gelaufen ist, hab ich in meinem kleinen Plan „Wenn nachts um 3 keiner rangeht" erzählt. Hier nur so viel: Wir hatten alle den Eindruck, der würde mich gern fressen.
Und das war in Ordnung. Ich musste an dem Tag nicht beweisen, dass er mich mag. Ich musste nichts mit ihm üben. In meiner Vorbereitung stand der Satz: Heute geht es nicht ums Lernen, sondern erst mal um Sicherheit und runterfahren.
Ein fremder Mensch im eigenen Haus, der auch noch an einem rumschaut. Für einen Hund, der seit Jahren aufpasst, ist das kein entspannter Nachmittag. Hätte ich ihn an diesem einen Termin gemessen, hätte ich ein ziemlich schiefes Bild gehabt.
Was danach kam
Wir haben erst mal richtig viel rausgeschmissen. Eine Fleischsorte, Moro-Suppe, Leinsamenschleim, Knochenbrühe, und alle Extras flogen raus, vom Würstchen bis zum Brotrest. Die Haut haben wir von außen unterstützt. Und seine Halterin hat Tagebuch geführt, mit Fotos, Rötung, Kratzen, Kot.
Genauso wichtig war mir der Alltag. Garten, Spielen, Besuch, das ist schön. Für ihn war es aber auch immer Aufpassen, Kontrollieren, Hochfahren. Also lieber kürzere Einheiten und danach wieder klar runter. Und bei Besuch kein Kontakt erzwingen, sondern ein sicherer Ruheplatz. Kein „der muss da durch".
Eine Zeit lang hatte sie auch meinen Healy, mein Frequenzgerät, zu Hause.
Glatt lief das nicht. Es gab Tage, an denen die Haut wieder hochkochte. Und ich hab in diesem Fall selbst was gelernt: Am Anfang hab ich seiner Halterin viel eigenen Spielraum gelassen, ich wollte sie nicht bevormunden. Das war für sie zu viel auf einmal. Also hab ich umgestellt und ihr tagegenau aufgeschrieben, wann was dran ist. Damit kam sie richtig gut klar. Irgendwann hat dann ihr Mann das Futter übernommen, die Portionen vorbereitet, und damit war viel Druck raus.
Anfang September
Zum zweiten Termin Anfang September stand im Tagebuch beim Befinden eine 8 von 10. Der beste Wert seit Beginn. Dazu: langer Spaziergang an einem neuen Ort, Auto fahren, spielen.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. In der Anamnese stand, dass die beiden schon sehr lange nicht mehr spazieren waren, weil sie ihm das nicht zumuten wollte.
Seine Halterin war trotzdem unzufriedener als ihr Mann. Sie hat die Rippen gesehen und die Zahlen auf der Waage. Er hat einen Hund gesehen, der aufs Sofa geht, dessen Augen nicht mehr tränen und bei dem das Fell nachwächst. Beide hatten recht. Das Gewicht war und ist die Baustelle, an der wir noch dran sind.
Der dritte Termin
Ende September kam eine Nachricht, nach einem Urlaub: „Es war super. Seine Haut mega gut. Verdauung keinerlei Probleme. Keine Durchfälle, Schleim oder jegliches. Nur sein Gewicht is noch weiter runter."
Ich hab zurückgeschrieben, dass wir jetzt von drei Baustellen auf eine runter sind.
Und trotzdem bin ich am 1. Oktober mit einem flauen Gefühl hingefahren. Ich hatte mir vorher lauter Sorgen gemacht, was alles sein könnte. Hätte ich mir sparen können.
Er war nicht mehr so aufgeregt und so genervt von mir wie früher. Er war aufmerksam, fand manche Bewegung von mir vielleicht ein bissi blöd. Aber er fand mich nicht mehr so doof. Seine Menschen haben es auch gesagt: Er ist in sich ruhiger, nicht mehr so aufgedreht. Ihm geht es so gut wie lange nicht, er ist entspannt.
Fertig ist da nix. Vorne hatte er sich wieder ein bissi aufgekratzt. Der Kot wird noch untersucht, Würmer klären wir auch ab, und das Gewicht beobachten wir weiter.
Warum ich auf den Verlauf schaue
Futter, Haut, Alltag, Ruhe, der Healy für eine Zeit, ein Mann, der das Futter übernimmt. Was davon wie viel ausgemacht hat? Ehrlich, das kann ich dir nicht auseinanderdröseln. Es lief alles gleichzeitig.
Was ich dir sagen kann: Der Hund, der mich im Juli am liebsten gefressen hätte, und der Hund vom 1. Oktober sind derselbe Hund. Ein einzelner Tag ist kein Urteil. Nicht der erste Termin, an dem er knurrt. Nicht der eine Tag im Tagebuch, an dem die Haut wieder rot ist. Und auch nicht die eine Nacht, in der du um drei Uhr wach liegst und denkst, jetzt kippt alles.
In der Situation selbst brauchst du Ruhe. Ob sich was verändert, siehst du erst im Verlauf. Und den siehst du nur, wenn du ihn aufschreibst.
Genau dafür hab ich den Plan „Wenn nachts um 3 keiner rangeht" gemacht. Für die Momente, in denen du allein mit deinem Hund dasitzt und nicht weißt, ob du jetzt jemanden anrufen musst. Da steht auch drin, wie dieser erste Nachmittag mit ihm wirklich gelaufen ist.
Deine Kerstin
Wenn nachts um drei keiner rangeht
Mein kleiner Plan für die Nächte, in denen du allein mit deinem Hund dasitzt und nicht weißt, ob du jetzt jemanden anrufen musst. Da steht auch drin, wie dieser erste Termin gelaufen ist. Kostenlos.
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