📋 Fallberichte„Der ist halt alt“ reicht mir nicht
„Der ist halt alt.“
Den Satz hörst du irgendwann. Beim Spaziergang, in der Familie, manchmal auch von dir selbst. Und ja, er stimmt ja. Dein Hund ist alt.
Aber „alt“ ist kein Befund. Alt ist ein Zeitraum. Und in diesem Zeitraum passiert ganz schön viel, das man sich anschauen kann.
Was ich damit meine
Letzten November hab ich in einem Webinar über alte Hunde gesprochen. Da ist mir ein Satz rausgerutscht, hinter dem ich bis heute stehe:
„Altern ist nichts Krankhaftes. Das ist einfach der natürliche Weg, der natürliche Prozess.“
Genau deshalb reicht mir „der ist halt alt“ nicht. Wenn Altern keine Krankheit ist, dann ist auch nicht jede Veränderung automatisch „das Alter“. Dann lohnt es sich hinzuschauen, was sich da gerade ansammelt.
Wann ein Hund überhaupt alt ist, ist übrigens ganz individuell. Die kleinen Fußhupen sind vielleicht erst mit 10 bis 12 alt, die großen oft schon sehr viel früher. Rasse, Körperbau, Lebensstil, das spielt alles mit rein.
Mein Gruselmonster wird alt
Scarlett, mein Dackelmischling aus dem rumänischen Tierschutz, wurde letzten Herbst 13. Im Webinar hab ich sie unser Gruselmonster genannt. Das ist liebevoll gemeint.
Äußerlich sieht sie noch genauso aus wie früher. Aber ich hab damals gesagt: „Du merkst, da oben sind eins, zwei Schrauben locker.“
Sie erschreckt sich schneller. Sie sieht nicht mehr so gut. Sie ist zur Plaudertasche geworden und quakt fast in einer Tour. Oder sie steht dir mitten hinter den Füßen und guckt dich an, nach dem Motto: Was willst du?
Abends kommt dann oft die Unruhe. Dann steht sie hier, steht sie da und weiß nicht so genau, wo sie hin soll.
Das alles kann zum Alter gehören. Demenz gibt es bei unseren Tieren genauso wie bei uns. Aber „gehört zum Alter“ heißt für mich nicht „da kann man nix machen“. Es heißt: Jetzt schau ich genauer hin.
Das Rudel redet mit
Und jetzt kommt der Teil, über den in kaum einem Ratgeber für alte Hunde was steht. Das Rudel.
Damals lebten bei mir zwei Omas und zwei Junge zusammen. Phoebe war 16 und ziemlich wackelig unterwegs. Und die Jungen mussten mit den Alten klarkommen.
Phoebe hat das teilweise gar nicht mehr mitgekriegt. Die ist über Suse, meine Angsthündin, drübergelaufen. Nicht dran vorbei. Drüber. Ein, zwei Mal hat Suse das ausgehalten. Beim dritten Mal kann es sein, dass sie schnappt.
Ist das Aggression? Nein. Das ist ganz normales Verhalten. Das ist ein „Hey, pass mal auf, du latschst jetzt nicht noch ein drittes Mal über mich.“ Oder wie ich es im Webinar gesagt hab: „Die müssen sich ja auch nicht alles gefallen lassen, nur weil die Damen und Herren verwirrt sind.“
Die Jungen standen oft überfordert da. Sie konnten die Körpersprache der Alten nicht mehr lesen. Irgendwann hatten sie ihre eigene Lösung gefunden: „Oh, die Olle kommt, ich gehe mal.“
Ehrlich, da musste ich lachen. Und gleichzeitig hab ich gesehen, was da eigentlich los war. Die Jungen waren dauernd auf der Hut. Wenn ein Hund nie richtig ruhen kann, weil er immer ein Auge drauf haben muss, ob die Oma gleich um die Ecke kommt, dann ist das Stress. Auch für den jungen Hund.
Ein Safe Space für die Omas
Also hab ich mir angeschaut, wie meine Konstellation zu Hause eigentlich aussieht. Wen muss ich schützen? Die Omas sowieso. Aber eben auch die Jungen.
Im Webinar hab ich es so gesagt: „Die Omas kriegen ja ein Safe Space oder sind auch mal so irgendwo für sich, dass dann auch die Jungen entspannen können.“
Das ist kein Abschieben. Die Omas haben ihren Platz, wo sie für sich sein können, ohne dass ständig einer vorbeirast. Und die Jungen haben Zeiten, in denen sie nicht aufpassen müssen, wer gleich über sie drüberläuft. Beide Seiten kommen runter.
Das passt zu dem, was ich bei alten Hunden sowieso immer sage: Der Schlafplatz gehört nicht irgendwo mitten ins Zimmer, sondern dahin, wo der Hund wirklich runterkommen kann.
Wie das bei dir aussehen muss, hängt von deinem Rudel ab. Bei einer anderen Zusammensetzung kann das ganz anders laufen. Aber die Frage lohnt sich: Wer bei dir kann gerade eigentlich nicht richtig ruhen?
Wo ich bei alten Hunden hinschaue
„Der ist halt alt“ packt alles in einen Satz. Ich mach das Gegenteil. Ich nehm den Satz auseinander.
Wo liegt er? Da, wo er wirklich runterkommen kann, oder da, wo den ganzen Tag Betrieb ist?
Was frisst er, und passt das noch zu dem Hund, der er heute ist? Die Ernährung passe ich an das Tier an, das ich vor mir hab.
Tut ihm was weh? Schmerz haben wir bei den Omas und Opas häufig.
Was ist nachts los? Unruhe im Alter kommt teilweise nachts. Dann stehen sie in der Gegend rum, gucken die Tür an oder kreiseln. Und ein Punkt, an den kaum einer denkt: Die Blase ist auch ein Muskel. Wenn ich bei einem alten Hund mit Entspannung arbeite, will ich die Muskulatur lockern, aber nicht die Blase. Sonst wird die Nacht unruhig.
Und dann bist da noch du. Hund und Mensch bedingen sich gegenseitig. Wenn du gerade außer Rand und Band bist, merkt dein Hund das. Manchmal sind nicht die anderen Hunde der Stress im Haus, sondern wir.
Und heute
Phoebe ist im Juni gestorben. Scarlett ist immer noch mein Gruselmonster.
Mein Wunsch ist ganz einfach: meine Mädels in einem guten Zustand so lange bei mir zu haben, wie es geht. Alt werden dürfen sie. In Würde. Und ich darf hinschauen, statt mit den Schultern zu zucken.
Wenn dein Hund gerade älter wird und dir „der ist halt alt“ auch nicht reicht, dann hol dir mein kostenloses Geschenk „Der ist halt alt“. Da findest du, worauf ich bei alten Hunden schaue, damit du zu Hause anfangen kannst.
Deine Kerstin
Der ist halt alt
Mein kostenloses Geschenk für dich, wenn dein Hund älter wird und dir ein Schulterzucken nicht reicht. Damit du weißt, wo du bei deinem Senior hinschauen kannst.
Kostenlos holen