Wenn dein Hund einfach nicht runterfährt: Warum unter Stress kein Körper richtig arbeitet
Ich hatte mal eine Hündin, Chiara. Meine zweite, nach Jessi, und Jessi war tiefenentspannt. Chiara war am Anfang eigentlich einfach nur unsicher und schüchtern. Was aus ihr diese krawallige, chaotische Hündin gemacht hat, waren zu einem großen Teil unfähige Hundetrainer. Aus einem unsicheren Hund haben die eine regelrechte Krawallschicht draufgepackt. Wir sind aus genau der Hundeschule geflogen, die Chiara vorher schon versaut hatte. Ich hatte die besten Leckerlis dabei, die ich finden konnte, hab alles versucht, was ich damals wusste. Hat trotzdem nicht geklappt, weil den eigentlichen Stress in dem Moment niemand erkannt hat, auch ich damals nicht.
Unfähige Hundetrainer können einem Hund genauso schaden wie falsches Futter. Beides hinterlässt Spuren im Körper.
Genau das ist der Punkt, um den's mir hier geht, und er ist größer, als die meisten denken.
Unter Stress lernt kein Schwein
Diesen Satz sag ich ständig, und er stimmt für Hunde genauso wie für Menschen. Unter Stress kann kein Hund lernen. Unter Stress kann kein Körper richtig arbeiten. Das ist keine nette Randnotiz, das ist eine ziemlich heftige Nummer für sich.
Und die Verdauung ist Teil von diesem Körper. Wenn ein Hund dauerhaft angespannt ist, arbeitet sein System die ganze Zeit gegen sich selbst. Da kannst du das beste Futter der Welt reinkippen, wenn der Körper gerade im Alarmmodus ist, wird davon nicht alles so verarbeitet, wie es sollte. Durchfall nach einem aufregenden Tag, Erbrechen nach Besuch, Bauchweh nach zu vielen neuen Reizen auf einmal, das ist kein Zufall.
Die Frage ist nicht nur, was er frisst
Wenn ich mit einem Hund arbeite, der schon eine lange Geschichte hinter sich hat, frag ich nie nur "was frisst er gerade". Ich frag auch: Was ist bei ihm eigentlich schon alles reingekippt worden? Welche Futtersorten, welche Kräuter, welche Mischungen, welche Chemiebomben? Und dazu: Wie viele Menschen haben da schon dran gearbeitet?
Das ist kein Vorwurf an irgendwen, auch nicht an Kolleginnen. Aber ich seh das immer wieder: Je mehr Leute vorher schon an einem Fall dran waren, desto länger dauert es, bis sich das System wieder beruhigt. Und oft liegt das daran, dass jeder nur durch seine eigene Brille schaut. Die Ernährungsberaterin guckt auf Ernährung. Die Trainerin guckt auf Kommandos. Und am Ende hat der Hund fünf verschiedene Ansätze gleichzeitig abbekommen, aber niemand hat das große Ganze gesehen.
Wir hatten mal einen Fall besprochen, ein Schäferhund. Alle haben sich an den Futtersorten abgearbeitet, hoch und runter probiert, kompliziert durchgerechnet, verglichen, wieder umgestellt. Niemand hat sich gefragt: Welche Rasse hab ich hier eigentlich vor mir? Was braucht die? Wie wird der gehalten und trainiert? Für mich als Tierpsychologin war das so naheliegend. Ein Schäferhund neigt schon von Natur aus zu Stress. Dann wird er auf die typische, harte Schäferhund-Art gearbeitet. Und dann kriegt er noch das immer gleiche Futter obendrauf, weil "das haben wir schon immer so gemacht". Klar, dass die ganze Sache am Ende in die Hose geht, im wahrsten Sinne des Wortes.
Was du selbst tun kannst
Schau dir mal ehrlich an: Wann tauchen bei deinem Hund die Symptome auf? Nach aufregenden Tagen? Nach Besuch? Nach dem Training? Und dann noch: Was wurde bei ihm bisher schon alles versucht, und von wie vielen unterschiedlichen Seiten? Manchmal ist der erste Schritt gar nicht ein neues Mittel, sondern erstmal Ruhe reinbringen, statt der nächsten Person, die auch noch mitmischt.
Wenn du wissen willst, wo bei deinem Hund gerade der größte Hebel liegt: Mach den Symptom-Check. Der zeigt dir in ein paar Minuten, wo du überhaupt anfangen solltest.
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